Unterlassene Hilfeleistung

Per Gesetz kann Jeder Mensch rechtlich verpflichtet sein, einer anderen Person Hilfe zu leisten, wenn die Situation es erfordert und die Hilfeleistung den jeweiligen Umständen nach zumutbar ist. Häufig kann schon der Notruf bei der Polizei, der Feuerwehr oder dem Rettungsdienst eine ausreichende lebensrettende Hilfe sein. Häufig jedoch treffen in besonders kritischen Situationen die angerufenen Retter zu spät ein, da der Ersthelfer nicht bereits vor ihrem Eintreffen lebensrettende Sofortmaßnahmen durchführt hat.

Niemand hat mit strafrechtlichen oder zivilrechtlichen Konsequenzen zu rechnen, wenn er einer Person in Notlage mit den zur Verfügung stehenden Mitteln versucht hat zu helfen. Wer bei der Hilfe selber Schaden erleidet, hat etliche Möglichkeiten des Schadensausgleichs. Wenn jedoch nicht geholfen wird, können sowohl strafrechtliche als auch zivilrechtliche Folgen auf den sogenannten Nichthelfer zukommen. Dabei ist es unerheblich, ob er die Notlage nicht erkennt, wenn er nur Anzeichen für eine solche Situation wahrnimmt und trotzdem ohne Hilfebemühen ignoriert.

Grundsätzlich können die Aspekte der ersten Hilfe in zwei große Bereich aufgeteilt werden, nämlich die strafrechtliche Seite (welches Tun und Unterlassen ist strafbar) und die zivilrechtliche Seite (ist dem Opfer ein Schaden zu ersetzen?).

Auf der strafrechtlichen Seite muss bei unterlassener Hilfeleistung unterschieden werden, ob jemand die geforderte Hilfe nicht erbracht hat (das Unterlassen) oder ob er im Rahmen seiner Hilfe Schäden verursacht hat.

Der Gesetzgeber sagt: „Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“

Natürlich ist es, wenn Hilfe geleistet wird, möglich, dass diese nicht optimal geleistet wird. Es können somit durch die Hilfeleistung Schäden hervorgerufen werden, die sogar die Gefahr übersteigen, die zu der Hilfeleistung Anlass gegeben hat. Wenn der Helfende einen potentiellen Schaden vor der Aufnahme seiner Handlung kennt und sein Eintreten in Kauf nimmt, ist eine Strafbarkeit zu prüfen. Der Laie wird aber auch dann nicht bestraft, wenn die von ihm ergriffenen Maßnahmen sich im Nachhinein als falsch erweisen. Auch können Helfer für sogenannte Kollateralschäden wie z.B. Rippenbrüche bei der Reanimation oder dem Zerreissen von Kleidung nicht bestraft werden.

Da der Komplex der unterlassenen Hilfeleistung recht umfangreich ist, sollten Sie sich bei einer Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung unbedingt mit einem Rechtsanwalt oder einer Rechtsanwältin in Verbindung setzen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Ich vertrete Sie gerne und kompetent im Verkehrsstrafrecht und kümmere mich um Ihre Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung.